(Zitat aus dem Buch „Mit der Trauer leben ler­nen“ von Chris­tine Kemp­kes)

Die Emo­tion Trauer kann viel­fäl­tige Ursa­chen haben. Sie ist immer durch einen Ver­lust aus­ge­löst. Ein gelieb­ter Mensch stirbt, die Gesund­heit hat Scha­den genom­men, die Arbeits­stelle geht ver­lo­ren, Part­ner­schaf­ten zer­bre­chen… Alleine die Erwar­tung eines Abschieds kann uns schon trau­rig machen. Wir füh­len uns matt, abge­schla­gen und der Boden scheint uns anzu­zie­hen.

Trauer ist ein Hil­fe­ruf. Das Bedürf­nis, den alten Zustand wie­der­her­zu­stel­len oder eine Kom­pen­sa­ti­ons­mög­lich­keit zu fin­den, äußert sich in die­ser Emo­tion. Wir zie­hen uns zurück, der Stoff­wech­sel ver­lang­samt sich und wir brau­chen Ruhe zur Hei­lung.

Der mimi­sche Aus­druck der Trauer ist gekenn­zeich­net durch das schräge Hoch­zie­hen der inne­ren Augen­brauen, die her­ab­ge­zo­ge­nen Mund­win­kel und der häu­fig nach­un­ten gerich­tete Blick.

Trauer ist eine Krise im mensch­li­chen Dasein und wird indi­vi­du­ell emp­fun­den. Die Suche nach einer Lösung für unser ins Ungleich­ge­wicht gera­tene Sys­tem for­dert einen akti­ven Pro­zess, der sehr kraft­zeh­rend sein kann. Es gibt nicht den Trau­er­pro­zess.  In der Lite­ra­tur sind Pha­sen der Trauer beschrie­ben, die bis­her aber nur im Ansatz bestä­tigt wer­den konn­ten. Die vier Pha­sen Nicht-wahr­ha­ben wol­len, Auf­bre­chen der Emo­tio­nen, Suchen-Fin­den-Sich tren­nen und die Rück­kehr in die Welt  sind erkenn­bar, aber sie tre­ten immer wie­der auf. Wie sagt Frau Kemp­kes in ihrem o.g. Buch:    „ Trauer ist schlau.“ Immer dann, wenn es bes­ser zu wer­den scheint, kommt sie aus dem Kel­ler der Emo­tio­nen gekro­chen und zieht den Trau­ern­den wie­der her­un­ter. Trauer geschieht in Wel­len, wie das übrige Leben auch. Ich bevor­zuge das Modell des Dua­len Pro­zes­ses von Stro­ebe und Schut. Es ist in die­ser Vor­stel­lung eines stän­di­ges Hin und Her zwi­schen einem ver­lust­ori­en­tier­ten Ver­ar­bei­ten und einem wie­der­her­stel­lungs­ori­en­tier­ten Bewäl­ti­gen. Ein Ping Pong zwi­schen akti­ver Trau­er­ar­beit und dem Fin­den neuer Rol­len und Bezie­hun­gen, dem Los­las­sen und Zulas­sen.

Unter­stüt­zung in Zei­ten von Trauer muss beglei­ten, zuhö­ren, gemein­sam schwei­gen, kon­kret hel­fen und mit­füh­len. Die Wunde des Ver­lus­tes blu­tet zuerst stark und sobald die Trau­er­be­wäl­ti­gung beginnt, wirkt auch die Beglei­tung und legt erst ein­mal eine zarte Sal­ben­schicht auf die Ver­let­zung. Der Hei­lungs­pro­zess muss von innen nach außen gesche­hen und nicht ein­fach zuge­deckt und erstickt wer­den. Nur so kann die Trauer hilf­reich und nach­hal­tig für das eigene Sys­tem wir­ken.

Fra­gen Sie für diese Salbe nicht den Arzt oder Apo­the­ker, son­dern eine ver­sierte Trau­er­be­glei­tung oder lesen Sie das Buch von Frau Kemp­kes.